Frieden, bitte
✌🏻
High Five,
ich war in den Osterferien mit meiner Familie auf Mallorca. Am Dienstagabend saßen wir mit alten und neuen Freunden am Meer. Es war ruhig. Friedlich. Die Sonne ging langsam unter.
Und dann fiel mir ein Gedanke in diese Ruhe: Heute Nacht entscheidet sich, ob Trump den Iran angreifen wird. Ich schaute in den Himmel und betete für Frieden.
Als ich später ins Bett ging, schaute ich noch einmal aufs Handy, scrollte durch Schlagzeilen. Auf einer Titelseite war sogar ein Countdown eingerichtet. Und ich dachte: Vielleicht wache ich morgen in einer anderen Welt auf. Vielleicht gibt es ein neues Datum, an das man sich erinnern wird. So wie bei Corona. So wie beim Angriff auf die Ukraine. So wie in Israel. So wie bei all den Momenten, nach denen man sagt: Seitdem ist nichts mehr wie vorher. Eine Zeitenwende nach der anderen. Aber warum wendet sich die Zeit nicht in Richtung Frieden?
Am nächsten Morgen war ich erleichtert. Es war nicht passiert. Erst einmal.
Zurück in Berlin saßen wir im Taxi. Meiner Frau war schlecht vom Flug, sie machte das Fenster runter. Der Fahrtwind wurde laut. Der Taxifahrer sagte irgendwann ruhig: „Können wir das Fenster wieder ein Stück hoch machen? Es ist sonst zu laut für mich.” Kein Problem. Dann sagte er: „Ich versuche immer, eine Lösung zu finden. Immer Frieden.” Wenn das Fenster unten bleiben müsste, würde er einfach langsamer fahren. Man müsse schauen, wo der Kompromiss liegt.
Er heißt Mahmud, kam ursprünglich aus dem Libanon, lebt seit 30 Jahren in Berlin. Er erzählte von seiner Schwester, die im letzten Jahr im Krieg gestorben ist. Davon, dass er vom Land in die Stadt ziehen musste, weil die Anhänger der AfD in der Nachbarschaft immer mehr wurden. Davon, wie schwer es für ihn ist, über die Runden zu kommen. Davon, dass er trotzdem jeden Tag versucht, ruhig zu bleiben, fair zu sein, Lösungen zu finden. Frieden, im Kleinen.
Das ist die Macht, die wir alle haben: Zu schauen, wo wir in unserem eigenen Raum Frieden schaffen können.
Im Taxi. Im Gespräch. Im Umgang miteinander.
AUS DEM HOTEL
Wacht ihr auch immer wieder zwischen 03.00 Uhr und 4.00 Uhr nachts auf? Die Schlafforscherin Christine Blume hat erklärt, warum das so ist — und was hilft, wenn man nicht wieder einschlafen kann.
MEINE HIGH FIVES! DER WOCHE
1. Eine Insel mit Bergen
Meine Familie und ich waren wie geschrieben über Ostern auf Mallorca. Was ich euch empfehlen kann: Die Kathedrale am Morgen in Palma (das Licht!), das Hotel Bikini Island in Es Trenc, die Bäckerei Fika Farina in Palma, das Miró Museum und die Eisdiele Ca’n Miquel.
2. Eine Familiengeschichte
War mein Opa oder Uropa ein Nazi? Eine Frage, die lange schwer zu beantworten war. Jetzt ist sie zugänglich: Millionen NSDAP-Mitgliederkarten sind digitalisiert und durchsuchbar. Die Daten lagen bisher im US-Nationalarchiv, aber waren kaum nutzbar – zu unübersichtlich, zu überlastet. Die Die ZEIT hat den kompletten Datensatz gesichert, neu aufbereitet und erstmals wirklich durchsuchbar gemacht.
Über 12 Millionen Dokumente lassen sich jetzt nach Namen und Geburtsort durchsuchen. Es ist ein Blick in Familiengeschichten, den man sich vielleicht nicht ausgesucht hätte.
3. Eine Vermutung
Im Hotel war kürzlich der Anwalt Christian Schertz zu Gast. Zwei Tage nach unserer Aufnahme hat er das Mandat für Christian Ulmen übernommen. Wir haben uns deshalb entschieden, mit der Ausstrahlung der Folge noch zu warten. Mir sind seitdem viele neue Fragen gekommen – und ich hatte die Sorge, dass eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt missverstanden werden könnte. Wir werden noch einmal aufnehmen. Ein Thema unseres ersten Gesprächs war die „Unschuldsvermutung“. Ein Begriff, der im Fall Ulmen / Fernandes oft fällt. In einem Text setzt sich die Journalistin Verena Maria Dittrich damit auseinander, sachlich und präzise. Sie endet mit diesem Satz: Recht gilt nur, wenn es für alle gilt. Auch für die, die wir verachten.
Eine Werbung
Es gibt Tage, da ist eigentlich alles okay – und trotzdem fühlt es sich nicht ganz rund an. Ich frage mich dann: Was kann ich selbst beeinflussen? Oft lande ich bei Basics wie Ernährung und Supplements. AG1 gehört für mich seit über 6 Jahren dazu, weil es mir täglich eine Grundlage gibt. Wenn ich es nehme, fühle ich mich klarer und stabiler. Das empfehle ich auch Freunden, wenn sie fragen, was mir gut tut.
Auf drinkag1.com/highfive bekommt ihr aktuell 10 Travel Packs gratis dazu – außerdem Vitamin D3+K2 und das Welcome-Kit im Wert von 86 € beim Abo kostenlos.
4. Ein Superheld
Neulich habe ich schon über Kevin Kühnerts Interviewskills geschwärmt. Er ist seit diesem Jahr Teil der Gesprächsreihe “Missverstehen sie mich richtig” und hat dafür nun Lars Eidinger interviewt. Früher war Lars omnipräsent, jetzt konzentriert er sich auf einen Oscargewinn. Es geht um Hollywood, aber eigentlich um Selbstzweifel.
Darum, warum die Bühne ein Ort ist, an dem man sich selbst erst begegnet. Und warum einfache Antworten oft die falschen sind.
5. Ein Zitat
„Ich kann dir morgen das Gegenteil von dem erzählen, was ich heute gesagt habe –
und beides stimmt.“ — Lars Eidinger
Ich wünsche uns ein friedliches Wochenende. ✌🏻
Euer Matze
PS.: Bald gibt es hier die Tourdaten für 10 Jahre Hotel Matze.


Sehr schön geschriebenes Intro, Matze! Gefällt mir gut, wie du oft Alltagsbeobachtungen mit politischem Weltgeschehen verknüpfst. Das macht unseren eigenen Einfluss etwa greifbarer.
Hey Matze, ich bin grade an deinem Bild vom kleinen Frieden vor unserer Tür hängen geblieben und dachte: seltsam; eigentlich wollen doch alle kleinen Leute nur ein bisschen Frieden, eine Bank vor der Tür, ein Bier, einen Sonnenuntergang. Wo ist nur der Umschaltmoment, an dem Männer aufstehen und sagen: ich nehme euch allen das Bier weg und mache alles kaputt?