Wieder Berlin
✌🏻
High Five,
Letzte Woche ist meine Berlin-Liebe wieder aufgeflammt. Ich war am 1. Mai in Kreuzberg unterwegs. Jahrzehntelang war dies ein Tag der Straßenschlachten - Autonome gegen Polizei, brennende Container, gesperrte Straßenzüge. Irgendwann kippte das: Aus der Konfrontation wurde immer mehr ein Fest und immer weniger eine Schlacht. Letzte Woche habe ich gesehen, was es sonst immer seltener hier gibt: Eine Stadt, die aufhört, Stadt zu sein — und anfängt, Mensch zu sein.
Jeder Späti hat sich in einen Club verwandelt und eine Boombox rausgestellt. Menschen tanzten davor oder auch direkt auf der Bushaltestelle. Hunderttausende waren unterwegs: jung, alt, alle möglichen Schichten, alle gleichzeitig draußen, alle ausgelassen, miteinander verbunden. Niemand scheint das so richtig organisiert zu haben. Kein Plan, kein Ordnungsamt, keine Sponsoren - nur die Menschen dieser Stadt.
Und es funktioniert.
Ich habe Gerald Hüther diese Woche im Hotel davon berichtet. Er sagte, der 1. Mai sei eigentlich gelebte Anarchie. Aber nicht im Sinne von Chaos. Sondern im Sinne von: Menschen, die sich selbst organisieren, weil sie es können und weil ihnen das Wohl der anderen wichtig genug ist. Genau das sei es, was wir irgendwie verlernt haben.
Was am 1. Mai passiert, ist die Erinnerung daran, dass es auch anders ginge. Nicht im Sinne von einer ewigen Party. Sondern im Sinne einer Realität, die ein paar Stunden lang sichtbar wird. Eine Form des guten Zusammenlebens, die nicht kontrolliert, hierarchisiert und optimiert ist. Schön!
Die Frage, die Hüther stellt — und die ich seit dem Gespräch nicht loswerde: Wie kriegen wir das auch an anderen Tagen und ohne Boomboxen hin?
AUS DEM HOTEL
Filmemacher Detlev Buck war im Hotel. Er erzählt, warum er es hasst, eingeschätzt oder in Schubladen gesteckt zu werden, und warum ihm Algorithmen gehörig gegen den Strich gehen. Wir sprechen darüber, warum Bürokratie Kreativität und gute Filme verhindert und weshalb ihm Preise nicht viel bedeuten.
MEINE HIGH FIVES! DER WOCHE
Ich hatte eine volle Woche mit vielen Interviews und dementsprechend Vorbereitungen und wenig Zeit für anderes.
1. Eine Einordnung
Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann war diese Woche bei uns zu Gast. Vor ein paar Wochen ist ihr neues Buch „Geld als Waffe" erschienen. Darin schreibt sie sehr analytisch darüber, wie Kriege entstehen und warum es dabei seltener um Geschichte, Psychologie oder Ideologie geht, als wir denken, sondern fast immer um Ökonomie. Besonders interessant ist ihr Blick auf Russland und China, der ganz anders ist als das, was man sonst hört: Putin kann sich ein Ende des Krieges schlicht nicht mehr leisten, weil die russische Wirtschaft längst eine Kriegswirtschaft ist. Und Xi manövriert China gerade in eine ökonomische Sackgasse, aus der ein Angriff auf Taiwan ein bequemer Ausweg wäre. Auch, wenn es viel um Haubitzen und Handelsbilanzen geht, liest sich das Buch erstaunlich klar und überraschend hoffnungsvoll - gerade für Europa.
2. Ein Update
Diese Woche war das OMR Festival. Ich konnte leider nicht hin. Ein Highlight ist immer der Vortrag von meinem Freund Philipp Westermeyer zum „State of the German Internet". Wie schön, dass es den Vortrag auch auf YouTube gibt. Eine knappe Stunde lang sortiert Philipp, was sich in der digitalen Welt gerade verschiebt: junge Gründerinnen, die mit unter 30 Milliardenfirmen bauen, der absurde Boom an Themenparks (auch Karls Erdbeerhof spielt mit), Google, das inzwischen mehr Nobelpreise einsammelt als manche Universität, und Hochzeiten als neues Social-Media-Phänomen. Wer auch nur am Rande mit Marketing, Marken oder Internet zu tun hat, sollte das gesehen haben.
3. Ein Film
Gestern Abend angefangen, dann war ich zu müde, um ihn zu Ende zu schauen, aber schon nach den ersten zwanzig Minuten war klar: „Olivia" in der ZDF-Mediathek wird ein Film, den ich heute Abend weiterschauen will. Erzählt wird die Geschichte von Oliver Knöbel, der aus der hessischen Provinz nach Hamburg kommt und auf St. Pauli zur schillernden Travestieikone Olivia Jones wird. Olivia kennt man heute als laute, kluge, herzliche Stimme für Toleranz, aber wie sie dahin gekommen ist, das wusste ich so nicht. Johannes Hegemann spielt sie mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Wucht, die mich sofort gepackt hat. Heute Abend gucke ich zu Ende — und werde Olivia ins Hotel einladen.
Eine Werbung
Ich empfehle hier ja jede Woche Dinge, die mich begeistert haben. Und ich selbst lasse mich auch gern von Empfehlungen anderer begeistern. So bin ich vor einigen Jahren auf AG1 gekommen: Meine Podcast-Vorbilder Tim Ferriss, Joe Rogan und Dax Shepard haben das Supplement immer wieder empfohlen, irgendwann habe ich es probiert — und seit 6 Jahren starte ich jeden Tag damit. Und damit habe ich das meiste, was ich für den Tag brauche, schon am Morgen abgehakt: Energie, Immunsystem, Darm und Konzentration — alles abgedeckt, bevor die erste Mail geöffnet ist.
Ich freue mich, dass ich euch nun AG1 empfehlen darf. Das würde ich nicht machen, wäre ich nicht davon überzeugt. Auf drinkag1.com/highfive bekommt ihr 10 Travel Packs, Vitamin D3+K2 und das Welcome Kit im Wert von 86€ gratis – ohne Versandkosten, jederzeit kündbar, 30 Tage Geld-zurück-Garantie.
4. Ein Platz
Die Liste der Menschen, die ich im Hotel sprechen möchte wird immer länger. Aber leider auch der Teil der Liste der Menschen, die ich nicht mehr sprechen kann. Margot Friedländer gehört dazu. Ich habe mich diese Woche richtig gefreut, dass es in Berlin nun einen Margot Friedländer Platz gibt.
5. Ein Zitat
Das Spannendste, was es überhaupt gibt, ist die Frage: Was hält eine Gemeinschaft zusammen? Und zwar so, dass die in den einzelnen Mitgliedern angelegten Potenziale sich so gut wie möglich entfalten können – wie auch das, was in der ganzen Gemeinschaft an Potenzial steckt, zur Entfaltung kommen kann.
— Gerald Hüther
Habt ein gutes Wochenende. ✌🏻
Euer Matze
PS.: Am Sonntag ist Muttertag!


Trinke gerade noch im Bett sitzend meinen Tee und freue mich über: eine Stadt die anfängt Mensch zu sein und „Menschen, die sich selbst organisieren, weil sie es können und weil ihnen das Wohl der anderen wichtig genug ist.“ Diese Sätze tun mir gerade gut - danke dir!
Warum hab ich dich nicht gesehen? 🤣 … lieben meinen Kiez.